RCDS Baden-Württemberg fordert Verbot von Vollverschleierungen an Hochschulen

Unsere Universitäten sind Orte der Freiheit und dürfen keinen Platz für Extremismus und Unterdrückung bieten. Die Vollverschleierung hingegen ist ein klares Zeichen der Unterdrückung von Frauen.

Auf der Klausurtagung am vergangenen Wochenende erneuerte der RCDS Baden-Württemberg daher die Forderung nach einem flächendeckenden Vollverschleierungsverbot an baden-württembergischen Hochschulen in universitären Lehrveranstaltungen.
Der RCDS Baden-Württemberg begrüßt dahingehend auch die Entscheidung der CAU Kiel, künftig keine Vollverschleierung bei universitären Veranstaltungen zuzulassen.
Für eine offene Kommunikation in Lehre und Forschung ist ein Erkennen der Gestik und Mimik des Gegenübers unabdingbar. Kommunikation spiegelt sich nicht nur im Gebrauch von sprachlichen Ausdrücken wider, sondern auch durch Gesichtsausdrücke und Blicke.Burka
Bereits 2014 entschied die JLU Gießen ebenfalls mit gleicher Begründung über ein Vollverschleierungsverbot an der Universität. Auch im Freistaat Bayern gibt es seit 2017 ein Gesetz, das das Tragen von gesichtsverhüllenden Schleiern unter anderem an Schulen und Hochschulen verbietet. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof urteilte bereits im Jahr 2014 darüber, dass die Religionsfreiheit durch das Verbot an Schulen und Hochschulen nicht unzulässig eingeschränkt werde, wenn durch religiöse Verhaltensweisen die Durchführung des Staats-, Bildungs- und Erziehungsauftrags gefährdet sei.
Wir fordern freie Gesichter für freie Kommunikation. Denn nur so kann eine für Lehre und Forschung wichtige und offene Diskussion sichergestellt werden.

RCDS Baden-Württemberg unterstützt Forderung nach fairer Vergütung im Praktischen Jahr während des Medizinstudiums

In den letzten Tagen sorgte eine Petition der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland – bvmd für großes Aufsehen unter den Studenten, in welcher es um eine Verbesserung der Arbeits- und Lehrbedingungen von Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) ging. Der Marburger Bund fordert ebenfalls unter anderem eine Mindestgrenze für die Ausbildungsbeihilfe, welche dem BAföG-Höchstsatz entspricht und auch die MediMeisterschaften schlossen sich der Petition an und in vielen Universitätsstädten kam es zu Aktionen, um die Forderungen zu unterstützen.

Das PJ ist der letzte Abschnitt des Studiums und dient der Vermittlung praktischer Inhalte in Kliniken. Stattdessen werden PJler nach 5 Jahren Studium viel zu oft als billige Hilfskräfte benutzt. So kommt das Erlernen verantwortungsvollen Handelns meist zu kurz. Hinzukommt, dass viele PJ-Studenten ihren Lebensunterhalt durch Nebenjobs finanzieren müssen – trotz 40 Stundenwoche. Zum Vertiefen des theoretischen und praktischen Wissens bleibt so kaum Zeit. Wir fordern deswegen eine Unterhaltsbeihilfe vergleichbar mit der, die auch Lehramts- und Rechtsreferendare beziehen.
Auch wir als RCDS Baden-Württemberg wollen die Mediziner unterstützen und fordern deshalb bessere Arbeits- und Lehrbedingungen:
- Bereitstellung von Arbeitskleidung
- Zugang zur elektronischen Patientenverwaltung
- Zeit für Selbststudium und Lehre
- Krankheitstage, die nicht auf die 30 Fehltage angerechnet werden
- 1100€ Unterhaltsbeihilfe, orientiert am Niveau der Beihilfen für Referendare und Krankenpfleger im 3. Lehrjahr

Dazu der Landesvorsitzende Jan Seeberger ”Nur gut ausgebildete Studenten können zu guten Ärzten werden. Grade vor dem Hintergrund des Ärztemangels in Deutschland grade im ländlichen Raum muss es Ziel sein, die Ausbildung junger, angehender Ärzte zu verbessern.”

Die Forderung nach einer Erhöhung der Beihilfen soll hierbei nicht dazu führen, dass Azubis und Medizinstudenten gegeneinander ausgespielt werden. “Ein gutes Studium ist nicht möglich, wenn neben einer 40-Stundenwoche noch ein Nebenjob ausgeübt werden muss”, so Seeberger weiter. Zudem sei das PJ im Medizinstudium besser zu vergleichen mit dem Referendariat im Jura- und Lehramtsstudium, da der Student hier bereits, wie durch den Namen bereits impliziert, innerhalb des Krankenhausbetriebes praktisch arbeite, wie auch Lehramtsreferendare im Schulbetrieb. Dementsprechend sollte sich die Entlohnung nicht nach dem BAföG-Satz, sondern an den Regelungen für die Entlohnung von Vorbereitungsdiensten und den Tariflöhnen orientieren. “Wir wünschen uns, dass die Beihilfen für Mediziner im Praktischen Jahr angeglichen werden an das Niveau der Beihilfen für Referendare im Jura- und Lehramtsstudium. Es ist nicht vermittelbar, dass ein angehender Lehrer höhere Beihilfen erhält als ein angehender Arzt.”

Zudem müsse langfristig darauf geachtet werden, dass sich die Entwicklung der Ausbildungslöhne von Krankenpflegern und der Vergütungen von Referendariaten langfristig nicht voneinander abkoppeln. “Akademische und Ausbildungsberufe müssen sich sinnvoll ergänzen. Daher ist es wichtig, dass Ausbildungsberufe ebenso gestärkt werden, was auch durch bessere Arbeitsbedingungen und Löhne während der Ausbildung erreicht werden kann”.

Abschließend gibt Seeberger zu bedenken: “Ja, ein Studienplatz in Medizin ist teurer als in anderen Fächern. Ebenso sind auch die Kosten im Gesundheitsbereich höhere als in anderen Branchen. Jedoch darf der Druck, die Kosten zu senken, nicht auf dem Rücken der Studenten und Auszubildenden ausgetragen werden. Stattdessen müssen wir langfristige Lösungen finden, durch die zum einen das Medizinstudium, zum anderen aber auch der gesamte Betrieb im Gesundheits- und Pflegesektor stabil ausfinanziert wird. Wir brauchen in Deutschland, insbesondere im ländlichen Raum, mehr und besser ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte, um unseren Lebensstandard im Gesundheitsbereich weiterhin aufrecht erhalten zu können. Deshalb müssen wir auch bereit sein, mehr Geld in Studium und Ausbildung in diesen Bereichen zu investieren.”fairesPJ

Exzellenzstrategie: Ländle weiterhin Spitze

Gestern fiel die erste Entscheidung über die zukünftige Förderung durch die Exzellenzstrategie, der Nachfolgerin der Exzellenzinitiative. Das Ergebnis ist für Baden-Württemberg höchst erfreulich:
Es wurden an sieben Universitäten Cluster genehmigt, wodurch die Universitäten insgesamt auf bis zu 100 Millionen Euro im Jahr hoffen dürfen. Insgesamt wurden zwölf Cluster genehmigt, was über 20% der bundesweit genehmigten Cluster darstellt.
Weiterhin dürfen sich sechs Hochschulen, welche mit mindestens zwei erfolgreichen Clustern vertreten sind, Hoffnungen machen, auch in einer zweiten Förderungslinie gefördert zu werden und in Zukunft den Titel “Exzellenzuniversität” tragen zu dürfen. Mit sechs Hochschulen ist Baden-Württemberg hier bundesweite Spitze.

Wir gratulieren daher herzlich der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Universität Heidelberg, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Universität Konstanz, der Universität Stuttgart, der Eberhard Karls Universität Tübingen zu den für die zweite Förderungslinie erforderlichen zwei Clustern sowie der Universität Ulm zum erfolgreichen Verbundantrag mit dem KIT.

Hierzu unser Landesvorsitzender Jan Seeberger: “Das Ergebnis zeigt, wie stark der Wissenschaftsstandort Baden-Württembergs aufgestellt ist. Es ist gleichzeitig zu erkennen, wie wichtig universitätsübergreifende Forschung geworden ist, da in Baden-Württemberg ein Viertel der siegreichen Cluster Verbundanträge verschiedener Hochschulen waren.”SpitzenforschungExzellenz Er mahnt jedoch gleichzeitig an: “Dieses Ergebnis ist erfreulich, aber dennoch keins zum Ausruhen. Wir müssen weiter daran arbeiten, unsere Hochschulen zukunftsfähig zu gestalten. Hierzu gehört nicht nur der Bereich Spitzenforschung, sondern wir benötigen insbesondere auch exzellente Lehre für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.” Abschließend kommentierte er: “Ich kann diejenigen Stimmen nicht verstehen, die Programme zur Spitzenforschung in Deutschland ablehnen und stattdessen ideologische Gleichmacherei fordern. Ein solches Denken ist gefährlich für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Forschungslandschaft und der Innovationskraft des Landes.”